• Uwe Laurisch

Made in Zschopau

Aktualisiert: 24. Apr.

Es war natürlich damals Zufall, dass uns der hochdekorierte ehemalige MZ-Werksfahrer Harald Sturm über den Weg lief. Er ist heute KTM-Händler und betreibt sein Geschäft direkt im alten MZ-Werk. Und wer an Rund um Zschopau denkt, der erinnert sich an die guten alten Zeiten, als MZ-Motorräder noch in Zschopau produziert wurden. Ende 2012 musste MZ ja bekanntlich Insolvenz einreichen...

2015 traf Marco Burkert, Harald und sprach mit ihm über seine 1984er MZ-Werksmotorrad.


Harald, erzähl uns doch einmal, um was für eine MZ es sich hier handelt.

Harald Sturm: Das ist ein MZ-Werksmotorrad aus dem Jahre 1984 mit einem 250-ccm-Einzylinder-Zweitaktmotor, der 48 PS Motorleistung entwickelt. Ich muss dazu sagen, dass es sich nicht um ein Originalmotorrad in dem Sinne handelt. Wir sind zu diesem Zeitpunkt schon mit Auslasssteuerung gefahren, die dieses Motorrad hier noch nicht hat. Es sind aber alles Originalteile, die später von uns zusammengebaut wurden. Der Jahrgang 1984 hatte hinten noch eine Trommelbremse und einen Kettenkasten, den wir so im Jahr 1985 schon nicht mehr gefahren sind. Das Motorrad ist luftgekühlt, besitzt ein 6-Gang-Getriebe und ist mit einer Trockenkupplung ausgestattet. Was wir damals schon hatten, war eine Scheibenbremse am Vorderrad.

Mitentscheidend über ein gutes Handling des Motorrades ist das Fahrwerk.

Was ist hier bei deiner MZ verbaut?

Also, wir waren etwa ab 1980, was den Federweg betrifft, auf dem heutigen Stand. Federwege von 320 mm hatte die MZ damals auch schon. Die Gabel ist eine MZ-Eigenentwicklung und der Stoßdämpfer kam von Bilstein. Zugegeben, bei der Gabel haben wir uns von der Konkurrenz inspirieren lassen. Es wurde damals oft über unsere Motorräder geschmunzelt, aber speziell mit dieser Ausführung konnte man hervorragend fahren, auch wegen der langen Federwege.



Ihr habt damals in der MZ-Sportabteilung sicherlich viel experimentiert, gibt es Besonderheiten?

Man musste viel ausprobieren, um die Motorräder weiterzuentwickeln. Speziell in der Sportabteilung wurde alles auf den jeweiligen Fahrer abgestimmt, wie es heutzutage auch bei anderen Herstellern gehandhabt wird. Eine weitere Besonderheit ist das Gewicht, hier täuschen sich sehr viele Leute. Mein MZ-Werksmotorrad wog 106 (!) Kilogramm und wurde komplett handgefertigt. Es wurde sehr auf Leichtbau geachtet, es wurde neben Titan auch Elektron (Metall-Legierungen aus mindestens 90 % Magnesium und knapp 10 % Aluminium) verwendet. Daraus wurden beispielsweise Motorengehäuse für die WM-Wettbewerbe gegossen. Der Wert eines solchen Motorrades betrug zu „Ostzeiten“ 100.000 DDR-Mark! Allerdings sind wir solche Leichtbaugehäuse nur zu Einzelwettbewerben gefahren, denn diese hielten meist nur zwei Tage. Zu den Six Days wurde alles etwas robuster gefertigt, da wog das Motorrad dann in etwa zehn Kilogramm mehr.


Wie genau kam es dazu, dieses Motorrad aufzubauen?

Als die Wende 1990 besiegelt war, wollte ich keine internationalen Rennen mehr fahren. Seitens MZ hatte man mir damals zu verstehen gegeben, dass ich entweder international fahre oder eben gar nicht mehr. Ich habe mich dann für Letzteres entschieden, KTM kam anschließend auf mich zu und fragte, ob ich Deutsche Meisterschaft fahren möchte, das Angebot habe ich angenommen und war von da an für KTM unterwegs. Mitte der 1990er Jahre entstand die Idee, bei „Rund um Zschopau“ eine Oldieklasse mit historischen Fahrzeugen an den Start gehen zu lassen. Ich hatte ja keine MZ mehr, also habe ich angefangen, alles zu sammeln, was ich aus jener Zeit organisieren konnte. Na ja, und das Ergebnis steht hier vor uns. Wie gesagt, leider nicht ganz zu 100 % Original. Aber ich glaube, die Leute freuen sich trotzdem, wenn sie den typischen MZ-Sound hören und wir auf solchen Geländemaschinen noch fahren.

Fotos: Marco Burkert




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