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Ein Blick zurück ...

Wer in der Enduroszene aktiv ist, dem ist der Name Rund um Zschopau ein Begriff. Die Geländesportveranstaltung rund um die MZ-Stadt blickt auf eine lange und vor allem traditionsreiche Geschichte zurück.

Erste Geländefahrten (aus denen sich das spätere Internationale Six-Days-Rennen entwickelte) gab es um 1903 vorerst nur in England. Bis der Trend, mit Motorrädern Wettbewerbe im Gelände auszutragen, auch in Deutschland populär wurde, sollten weitere zehn Jahre vergehen. 1913 gab es hierzulande die erste sogenannte Fünf-Tage-Fahrt, die sich von Erfurt über verschiedene Städte Deutschlands bis nach Braunschweig erstreckte und auch am Rande des Erzgebirges entlangführte. Kurze Zeit später beschloss der 1912 gegründete Chemnitzer Motorradclub, eine Motorradprüfungsfahrt im Erzgebirge durchzuführen. Kriegsbedingt war jedoch in den Folgejahren an Motorradwettbewerbe nicht zu denken. Erst ab dem Jahre 1927 wurde im Erzgebirge wieder an Geländefahrten gedacht. Augustusburg, nur wenige Kilometer von Zschopau entfernt, bildete in jenem Jahr den Ausgangspunkt der „Deutschen Sechstagefahrt“, die verschiedenste Prüfungen für die Teilnehmer bereithielt.

Start an der „Neuen Heimat“ an der Zschopau Stadterweiterung.

.| Foto: Steffen Ottinger..

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Unter anderem galt es, eine Bergprüfung zu bestehen, die sich über einen Waldweg nahe der Augustusburger Rodelbahn (mehr als 20 Prozent Steigung) zog. Zwischen Börnichen und Hohndorf gab es die sogenannte „Flachprüfung“, bei der es auf die richtige Durchschnittsgeschwindigkeit ankam. Damals gingen die Fahrer auf Maschinen der Marken DKW, NSU, Zündapp oder Schüttoff an den Start, waren oftmals umjubelte Stars und ebneten den Weg für das spätere „Rund um Zschopau“. 
Nach dem zweiten Weltkrieg war aller Anfang schwer, das galt besonders für die Motorradindustrie. Der Geländesport als solches entwickelte sich in den 1950er Jahren nur langsam. Erste Versuche gab es auf Seiten der DDR mit sogenannten „Leistungsprüffahrten“, an denen nun Modelle der Marken AWO (425), IFA (RT 125) und BK (350) teilnahmen. Ein weiterer Schritt in Richtung Geländefahrt folgte zwei Jahre später mit der Leistungsprüffahrt „Rund um Chemnitz“, die von Hermann Scherzer initiiert wurde. Bei diesem Rennen war alles dabei, vom anspruchsvollen Gelände über eine Bergprüfung bis hin zu einem Stück Autobahn (!). Danach ging es Schlag auf Schlag, die Entwicklung der Motorräder nahm rasant zu und besonders die Zschopauer Motorradwerke sorgten mit ihren Zweitaktmotoren in der Motorsportwelt für Aufsehen. 


Am 16. Oktober 1955 war es dann soweit, die erste Geländefahrt „Rund um Zschopau“ stand auf dem Plan.

Ein wahres Spektakel, bei dem erstmals auch eine neue IFA ES 250, als Prototyp mit Einzylinder-Zweitakttechnik sowie diversen Neuerungen, an den Start geschoben wurde. Alles was Rang und Namen hatte, war seinerzeit am Start dieser ersten Veranstaltung, so auch der dreifache Motorradweltmeister Werner Haas auf NSU in der Klasse bis 250 ccm. In den Folgejahren entwickelte sich „Rund um Zschopau“ zu einem absoluten Höhepunkt des Geländesports. Dass man von dieser Veranstaltung auch international beeindruckt war, zeigte sich 1968 mit der ersten Europameisterschaft in Zschopau. Die damals 14. Geländefahrt war von der FIM zum Auftakt der Europameisterschaft gewählt worden. Bemerkenswerte acht Klassen gingen in diesem Jahr an den Start. Die neue Streckenführung über 105 Kilometer hatte es in sich und warf nach dem ersten Tag bereits über 80 von 189 Startern aus dem Wettbewerb! Auch in den Jahren danach fand der EM-Auftakt in Zschopau statt und „Rund um die  MZ-Stadt Zschopau“ war mit Passagen wie der schwierigen Auffahrt „Station Junge Techniker“ oder der Steilabfahrt „Gänsewinkel“ in aller Munde. Das ist heute nicht viel anders, nur sind es Ab-schnitte wie „Skihang“, „Teufelsberg“ oder „Klemmsches Motodrom“. Doch nicht nur berühmte Streckenabschnitte brachte Zschopau hervor, sondern auch einige der erfolgreichsten Fahrer  drückten dieser Geländefahrt ihren Stempel auf. Egal ob Werner Salevsky Ende der 50er Jahre, Ewald Schneidewind in der 75-ccm-Klasse oder später Rolf Hübler auf Simson, MZ-Werksfahrer Harald Sturm um nur einige zu nennen, aber sie alle haben diese Veranstaltung für die Zuschauer stets nachhaltig geprägt. 


Als die Europameisterschaft im Jahre 1989 durch die FIM zur Weltmeisterschaft aufgewertet wurde, blickte die Weltelite erneut auf „Rund um die MZ-Stadt Zschopau“. Im Jahre 1989 noch als Probelauf deklariert, wurde es ein Jahr später ernst, als der erste WM-Lauf ins Erzgebirge kam.

Es pilgerten nun Stars der jüngeren Geschichte nach Sachsen, um die anspruchsvolle Enduroveranstaltung zu bewältigen. Für das heimische Publikum nach jahrelanger DDR-Zeit und Abstinenz internationaler Spitzensportler ein absolutes Novum. Kein Wunder also, dass mehr als 100.000 Fans ins Erzgebirge reisten, um sich dieses Spektakel nicht entgehen zu lassen. Mehr als 230 Fahrer verschiedenster Nationen, unter ihnen auch die Italiener Giorgio Grasso und Stefano Passeri, Paul Edmondson sowie Kari Tiainen. Hier gelang es Thomas Bieberbach auf Simson (80 ccm) einen Doppelsieg einzufahren; ein letztes Aufbäumen der „DDR-Motorradmarken“, bevor sich der Endurosport einem Wandel unterzog. Die einstigen Hersteller „alter Zeiten“ wichen allmählich einer neuen Generation an Motorrädern, die gleichermaßen neue Fahrer hervorbrachte und einen regelrechten Enduro-Boom in den 1990er Jahren auslöste.

 

„Rund um Zschopau“ entwickelte sich in den Jahren weiter, wurde moderner und fester Bestandteil der Deutschen Enduromeisterschaft, behielt jedoch immer den Charakter einstiger Enduroklassiker.

Über die Jahre ließen es sich die internationalen Spitzensportler nicht nehmen und rollten mit ihren Maschinen an den Start dieses legendären Rennens. Und so hinterließen Fahrer wie Juha Salminen, Stefan Merriman, David Knight, Samuli Aro, Giovanni Sala, Fabio Farioli, Marko Tarkkala, Alex Salvini und Eero Remes sowie auch unsere einheimischen Jungs, wie zum Beispiel der heutige Sportwart des MSC Rund um Zschopau e.V.  Marcus Kehr oder Ralf Scheidhauer, heute Trainer bei EnduroPro, der Enduroschule von Marko Barthel, der hier nicht nur einmal an den Start ging, ihre Spuren. Die Liste der nationalen Stars der Szene ist lang. Und so sollten stellvertretend hier Namen genannt werden wie Swen Enderlein, der leider bei der Ausübung seines geliebten Sports tödlich verunglückte, oder Andreas Beier, Rüdiger Bachmann, Arne Domeyer, Marco Straubel und Dennis Schröter, die ebenfalls Spuren ihrer Reifen in den Wäldern rund um Zschopau hinterlassen haben.

 

| Text: MCE-Mediaproduktion